Neujahrsschnee

Die ersten Tage im Januar sind eine seltsame Zeit. Gedanklich hängen wir dem alten Jahr noch nach und wissen nicht, was das neue wohl bringen wird. Soll man enthusiastisch sein und das, was da kommen mag, gespannt erwarten, oder soll man sich eher sorgen, weil man nicht weiß, was kommen wird, oder soll man mit der Schulter zucken und sich nicht den Kopf zerbrechen, weil sich nicht viel ändern wird? Jedes Jahr finde ich mich erneut bei dieser Frage wieder.

Das Gefühl im neuen Jahr erinnert mich ein bisschen an das Gefühl, wenn dichter Schnee fällt. Alles um einen herum wird in Weiß getaucht, alles Schöne und alles Hässliche, jeglicher Schmutz wird versteckt, Geräusche werden gedämpft. Wir wissen, dass all dies immer noch da ist, unter dem Schnee, und wieder besser zu sehen und zu hören sein wird, sobald er verschwindet – und trotzdem gehen wir ans Fenster, schauen den Flocken zu und erfreuen uns an ihnen für einen Moment. Und dann wenden wir uns ab und wieder unserem Alltag zu. Der Schnee taut irgendwann weg und alles ist wieder wie vorher.

Für mich fühlen sich die ersten Tage im neuen Jahr ein bisschen so an, als würde Schnee fallen und das alte Jahr bedecken. Jeden Januar blicke ich auf diese Decke und denke an das Jahr, wie es war, und daran, wie es wohl werden wird, wenn der Schnee verschwindet.

Bei uns liegt schon seit einigen Tagen Schnee. Er scheint bereits wegzutauen.

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